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<title>Bōsōzoku</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Bōsōzoku</span></h1>
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<p><b>Bōsōzoku</b> (<a href="Japanische_Schrift" title="Japanische Schrift">japanisch</a> <span lang="ja-Jpan" class="Jpan">暴走族</span>; wörtlich ‚brutal rennender Stamm‘) ist eine <a href="Japan" title="Japan">japanische</a> <a href="Subkultur" title="Subkultur">Subkultur</a>, die den westlichen <a href="Rocker" title="Rocker">Rockern</a> und <a href="Motorradclub" title="Motorradclub">Motorradclubs</a> ähnelt: Es handelt sich um <a href="Soziale_Gruppe" title="Soziale Gruppe">Gruppen</a> meist junger Männer, die das gemeinsame Interesse teilen, ihre Motorräder (oft auch unerlaubt) zu <a href="Fahrzeugtuning" title="Fahrzeugtuning">modifizieren</a>. Die Veränderungen an den Maschinen beinhalten häufig das Entfernen von schalldämpfenden Teilen, damit die Motorengeräusche drastisch lauter sind.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sozialer_Hintergrund">Sozialer Hintergrund</h2></div>
<p>Der Kriminologe <a href="Joachim_Kersten_(Soziologe)" title="Joachim Kersten (Soziologe)">Joachim Kersten</a> beschreibt das Phänomen Bosozoku als eine <a href="Subkultur" title="Subkultur">Subkultur</a> <a href="Japan" title="Japan">japanischer</a> Jugendlicher mit der Neigung zu <a href="Devianz" title="Devianz">deviantem</a> gesellschaftlichem Verhalten.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch Ikuya Sato, der selbst einer solchen Gruppe in <a href="Kyoto" class="mw-redirect" title="Kyoto">Kyoto</a> für einige Jahre angehörte und in systematischen Beobachtungen und zahlreichen Befragungen das Milieu untersuchte, spricht von einer Subkultur, wie sie in verwandter Form auch in anderen Ländern begegne.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die für Japan typische „Life-style“-Form der Bosozoku breitete sich seit den 1950er Jahren rapide im Lande aus und erfasste zunächst vor allem junge Männer zwischen 15 und 21 Jahren, vorrangig sozial benachteiligter Schichten. In dem Abgleiten in deviante Verhaltensweisen und kriminelle <a href="Ritual" title="Ritual">Gruppenrituale</a> entschleiern sich für Sato gesellschaftspolitisch begründete soziale Probleme. Hinzu kommt nach seiner Vorstellung das aufbegehrende Austragen eines <a href="Generationenkonflikt" title="Generationenkonflikt">Generationenkonflikts</a>, das Protestverhalten einer Jugend, die sich in ihren Zielen und Normen bewusst von den ihnen von der Erwachsenenseite aufgedrängten absetzen will: <i>Der Name bososoku bedeutet ‚Stamm der wilden Fahrer’ oder ‚Stamm außer Kontrolle’, und dieser Name entspricht dem Charakterbild, das sich sowohl Bandenmitglieder als auch Außenstehende von den Teilnehmern an den sogenannten Rennen, der wichtigsten Aktivitäten dieser Gruppe machen.</i><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Unterschied zu den europäischen Straßenrennen, die weitestgehend ungeschützt in Form einzelner Fahrerduelle ausgetragen werden, rasen die japanischen Bosozokufahrer in größeren Gruppen durch die nächtlichen Innenstädte. Sie unterwerfen sich strengen, auch sicherheitsrelevanten Regeln. So darf die Spitzenmaschine, welche die (variable) Route vorgibt, nicht überholt werden. Begleitende Autos halten dem <a href="Korso" title="Korso">Korso</a> durch Einschüchterung der anderen Verkehrsteilnehmer mittels Hupgetöse, Motorenlärm und Blendscheinwerfern die Bahn frei. Eine Nachhut verhindert mit <i>ketsumakuri</i> (Schwanzwedeln) über die ganze Straßenbreite ein Eindringen von Polizeifahrzeugen in das Renngeschehen. Zudem kennzeichnet sich das Bosozoku durch <a href="Artistik" title="Artistik">artistische</a> Einlagen wie einen fliegenden Fahrerwechsel (<i>raidaa chenji</i>), das Funkenschlagen durch Streifen des Straßenpflasters oder der Bordsteinkanten mit der Maschine (<i>hanabi</i>) oder kunstvolles Zick-Zack-Fahren (<i>vonshasen kama</i>).<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Warwitz_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Warwitz-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aktivitäten"><span id="Aktivit.C3.A4ten"></span>Aktivitäten</h2></div>
<p>Die Bosozoku unternehmen außerdem Ausfahrten mit riskanter Fahrweise, beispielsweise dem Hin- und Herwechseln von einer Straßenseite zur anderen, das Ignorieren von Ampeln auf Rot, auch ohne Helm zu tragen. Die Polizei in Japan nennt sie <i>maru-so</i> (Polizeicode: マル走).
</p><p>Zu ihren Aktivitäten gehört auch das sogenannte <i>shinai bōsō</i> (市内暴走), das bewusste Übertreten des <a href="Zul%C3%A4ssige_H%C3%B6chstgeschwindigkeit" title="Zulässige Höchstgeschwindigkeit">Tempolimits</a>. Es ist kein richtiges Rennen, da typischerweise zum <a href="Nervenkitzel" title="Nervenkitzel">Nervenkitzel</a>, nicht zur Erhebung eines Schnellsten, veranstaltet.
</p><p>Bei einer Vielzahl beteiligter Autos (oder Krafträdern) ist das führende mit dem <i>sentōsha</i> (先頭車) bemannt, dem Leiter, der verantwortlich für den Anlass ist. Niemand darf ihn überholen. Andere Fahrer halten Ausschau nach Fahrzeugen von hinten oder von der Seite.
</p><p>Obwohl Bosozoku auch Rennen fahren, bevorzugt manche Gruppe das bloße <i>bōsō</i>, „brutal“ zu fahren. Die Gruppen tunen ihre Abgassysteme so, dass sie besonders laut sind und fahren mit Geschwindigkeiten von zwischen fünf und zehn Meilen pro Stunde durch Vorstädte, wobei sie kaiserlich-japanische Flaggen schwenken und lautstark Obszönitäten von sich geben. Gelegentlich kam es auch schon vor, dass Mitglieder der Gruppen Brandflaschen warfen und Schwerter/Speere bei sich trugen, wobei sie Zuschauer provozierten.
</p><p><i>Bōsōzoku</i>-Mitglieder werden tendenziell als <a href="Kriminell" class="mw-redirect" title="Kriminell">Kriminelle</a> und Außenseiter aufgefasst, es wird gemeinhin über Bosozoku-Gruppen gesagt, dass sie Rekrutierungsfeld der <a href="Yakuza" title="Yakuza">Yakuza</a> seien. Nur vereinzelte Bosozoku-Mitglieder sind älter als zwanzig, da sie dann als Erwachsene nach japanischem Recht gelten und einen Eintrag ins Strafregister riskieren, außerdem werden sie als unreif und kindisch angesehen.
</p><p>Die Gruppen traten erstmals in den <a href="1950" title="1950">1950er</a> Jahren auf, als die japanische Jugend sich vermehrt Autos und Motorräder leisten konnte. Die ersten <i>Bōsozōku</i> wurden als <i>kaminari-zoku</i> (雷族, „Donner-Gangs“) bekannt.
</p><p>Es gibt <i>Bōsōzoku</i>-Klubs in ganz Japan, sogar weibliche Motorradcliquen, die sich über Mode und angepasste Motorräder identifizieren. Mitglieder partizipieren bei Massenrallyes und haben untereinander Bandenkriege. Als Mode- und Jugendsubkultur sind <i>Bōsōzoku</i> ein Ziel zunehmenden staatlichen und polizeilichen Druckes.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Motivationslage">Motivationslage</h2></div>
<p>Die nach Sato am häufigsten zu lesenden Deutungsversuche in den japanischen Publikationsorganen weisen auf das Ausleben eines Triebs hin, seine Frustration auszudrücken. Das allgemein als <a href="Kriminalit%C3%A4t" title="Kriminalität">kriminell</a> abgelehnte Bandengehabe wird als Ventil gesehen, negative Gefühle auszuagieren.<sup id="cite_ref-Sato_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Sato-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sato zitiert dazu den Psychologen Kaneto: <i>Sie sind sich bewusst, außerhalb der Gesellschaft zu stehen und versuchen nun, durch das Rennen ihr Bedürfnis nach Anerkennung und positivem Selbstgefühl zu befriedigen, das in der Schule oder am Arbeitsplatz unbefriedigt bleibt.</i> (Kaneto, 1981 nach Sato S. 212). Er verweist jedoch bereits darauf, dass es sich bei diesen Äußerungen zu der Problematik um bloße ‚Mutmaßungen’ handelt, denen empirische Untersuchungen und gesicherte Belege fehlen.
</p><p>Die eigenen, auf <a href="Interview" title="Interview">Interviews</a> mit 1224 Jugendlichen basierenden Analysen Satos ergaben, dass bei den Befragungen immer wieder die Begriffe <i>spiido</i> (Geschwindigkeit) und <i>suriri</i> (Erregung) auftauchen und er schließt daraus, <i>daß das Rennen als asobi (Spiel), als eine intrinsisch vergnügliche Aktivität erlebt wird.</i> Im Gegensatz dazu werden die Begriffe „Frustration“ und „Minderwertigkeitskomplexe“ den Bosozoku-Mitgliedern ausschließlich von Außenstehenden als Motive zugeschrieben. Die Rennen der Bosozoku, die nach strengen Regeln ablaufen, werden nach der Darstellung Satos nicht nur als <a href="Nervenkitzel" title="Nervenkitzel">Nervenkitzel</a> gesucht und erfahren, sondern als Gelegenheit genutzt, einen höheren Bewusstseinszustand und ein gestärktes Selbstbewusstsein zu erleben.<sup id="cite_ref-Sato_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-Sato-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Spielcharakter der Bosozoku-Rituale wird auch von dem Wagnisforscher <a href="Siegbert_A._Warwitz" title="Siegbert A. Warwitz">Siegbert A. Warwitz</a> als Hauptmotiv gesehen. Er stellt dabei eine Reihe von Parallelen, aber auch Unterschiede zu den von ihm speziell untersuchten deutschen „Crashkids“ sowie den englischen „Speedboys“ und ihren Straßenrennen fest und spricht von einem „Flow-Erleben“, das in den Aussagen der Befragten immer wieder erkennbar werde: Betäubt vom Donnern und Röhren der Maschinen und den Auspuffgasen der Motoren geraten sie in einen Rauschzustand. Sie verstehen sich als <a href="Draufg%C3%A4nger_(Charaktereigenschaft)" title="Draufgänger (Charaktereigenschaft)">Teufelskerle</a> mit Lust auf <a href="Wagnis_(Begriff)" title="Wagnis (Begriff)">Wagnis</a> und Gefahrenbewältigung. Nach Warwitz steht bei ihnen aber nicht das Suchen der Gefahr im Vordergrund. Die physischen und sozio-kriminellen Bedrohungen werden zwar nicht ausgeblendet. Sie sind präsent und Teil des <a href="Abenteuerspiele" title="Abenteuerspiele">Abenteuerspiels</a>. Sie werden aber nur als notwendiges ‚Vehicle’ gesehen, die eigenen Fähigkeiten herauszufordern und das persönliche Problemmanagement auszutesten. Es wird das Bewusstsein von Kompetenz, Können und Kontrolle angestrebt, das Selbstsicherheit und Glücksgefühle verleiht. Dabei werden bestimmte Sicherungsmaßnahmen eingebaut und die Gefahr der Überforderung und Auslieferung an ein unberechenbares Schicksal eingegrenzt:<sup id="cite_ref-Warwitz_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-Warwitz-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote lang="de" style="margin:0;">
<p>„Was dem oberflächlichen Betrachter als primitive Suche des physischen Risikos, als Sucht nach dem Kick, als Ausleben einer minderwertigen Geltungssucht, als irrationale Verwegenheit, als mutwillige Gefährdung des Lebens erscheint,[…] entschlüsselt sich dem seriösen Untersucher bei genauer Analyse als eine jugendtypische Methode der Identitätsfindung, als Versuch von Heranwachsenden, sich selbst und die Freunde in ihren Potenzialen und Grenzen auszuloten. […] Das Risiko erscheint notwendig, um das eigene Können herauszufordern und beweisen zu können.[…] Das Bewusstsein der Gefahr spielt eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Gefühl des Könnens, der Kompetenz und der Kontrolle der Situation, das den Flow bewirkt.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Siegbert A. Warwitz</span>: <cite style="font-style:normal">Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt</cite><sup id="cite_ref-Warwitz_5-2" class="reference"><a href="#cite_note-Warwitz-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Das lustvolle Abenteuerspiel, sich von der Polizei verfolgen zu lassen und die von ihr repräsentierte Allmacht der Gesellschaft im Schutze der Gruppe auszutricksen, ist Teil des Vergnügens, das beglückt. Die Erfahrung, ein bestimmtes Gefühl von Leistungsfähigkeit und Selbstsicherheit in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter ausleben zu können und in einer Art kollektiven Rausches wohlig aufgehoben zu sein, verleiht ein Hochgefühl, das zwar durchaus auch eine Beachtung von außen wünscht, das aber hauptsächlich die unmittelbare Bestätigung in der <a href="Peergroup" title="Peergroup">Peergroup</a> genießt und weitestgehend im sich selbst belohnenden <a href="Autotelie" title="Autotelie">autotelischen Erleben</a> aufgeht. Es handelt sich um eine kreative Form, über artistisches Können und Gruppendisziplin sowie über ein gemeinsames Rauscherlebnis wenigstens vorübergehend ein erhöhtes Selbstgefühl, eine Art heroisches Selbstbild, von sich aufzubauen und zu erleben.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Stereotype_und_Darstellung_in_den_Medien">Stereotype und Darstellung in den Medien</h2></div>

<p>Der stereotypische Bōsōzoku-Aufzug wird in manchen Medien Japans (zum Beispiel <a href="Anime" title="Anime">Anime</a>, <a href="Manga" title="Manga">Manga</a> und <a href="Film" title="Film">Film</a>) oftmals porträtiert und karikiert.
</p><p>Das Bild, das die Medien wiedergeben, zeigt die Bōsōzoku-Mitglieder oft in einer Uniform aus <a href="Overall" title="Overall">Overall</a> oder einem <i>tokko-fuku</i> (特攻服), ein militärischer Übermantel mit Sprüchen in Kanji-Schriftzeichen, der üblicherweise offen und ohne darunterliegendes Hemd getragen wird, sodass der Blick frei ist auf bandagierte Torsos und sackartige, in große Stiefel gesteckte Hosen.
</p><p>Tokko-Fuku bedeutet „Spezielle Angriffsuniform“, in Anlehnung an die Uniform der <a href="Kamikaze" class="mw-redirect" title="Kamikaze">Kamikaze</a>-Piloten.
Die Uniformen sind oft mit militärischen Slogans verziert, Patches der „Aufgehenden Sonne“, alten chinesischen Schriftzeichen oder sogar Manji-<a href="Swastika" title="Swastika">Swastikas</a>. Oft binden die Mitglieder der Gruppe sich einen <a href="Tasuki" title="Tasuki">Tasuki</a> um, eine Schärpe, die in einem X um den Torso geschlungen wird, inspiriert durch japanische Zweiter-Weltkriegs-Piloten. Lederjacken sind oft mit Club-/Ganglogos geschmückt, und sogar ganze Vollleder-Anzüge kommen als Elemente des Bosozoku-Looks vor.
</p><p>Unter anderem gibt es bei der Bosozokukleidung auch runde oder Rundum-Sonnenbrillen, lange <a href="Hachimaki" class="mw-redirect" title="Hachimaki">Hachimaki</a>-Stirnbänder mit Kampfsprüchen und ein pompadourhafter Haarstil, der am ehesten jenem der „Greaser“/„<a href="Rocker_(Subkultur)" title="Rocker (Subkultur)">Rocker</a>“ gleicht und auch mit <a href="Yakuza" title="Yakuza">Yakuza</a>-Mobstern assoziiert wird. Die „Punch perm“-Frisur, eine Art Dauerwelle, wird als üblicher Bosozoku-Haarstil erachtet. Auch Atemschutzmasken werden gerne getragen, mit dem Effekt, dass diese die Identität ihrer Träger verhüllen und in Japan kein Aufsehen erregen (solche Masken werden auch von Allergikern getragen, besonders im Herbst).
Weibliche Mitglieder sind vergleichbar gekleidet, aber femininer, mit langem, oftmals eingefärbtem Haar, hochhackigen Stiefeln, und ausladend geschminkt.
</p><p>Bōsōzoku sind dafür bekannt, ihre Krafträder in eigentümlicher, auffallender Weise zu modifizieren. Ein typisches modifiziertes Bosozoku-Kraftrad war ursprünglich ein durchschnittliches japanisches Straßenmotorrad, das Elemente der amerikanischen <a href="Chopper_(Motorrad)" title="Chopper (Motorrad)">Chopper</a> mit jenen der britischen <a href="Cafe_Racer" title="Cafe Racer">Cafe Racer</a> kombiniert: Zum Beispiel treffen Vollverkleidungen, wie man sie bei „Café racern“ sieht, auf erhöhte Handgriffe, wie sie Chopper haben. Verbreitet sind grelle Lackierungen mit Motiven wie Flammen oder der Aufgehenden Sonne im Kamikazestil.
</p><p>Oft sind die Vehikel mit Aufklebern oder Flaggen verziert, die das Gang-Logo oder -Symbol zeigen.
</p><p>Es gibt regionale Eigenarten: <a href="Ibaraki" title="Ibaraki">Ibaraki</a>-Bosozoku sind beispielsweise dafür bekannt, ihre Motorräder farbenreich grell zu gestalten (zum Beispiel leuchtendes Gelb oder Pink). Oft haben sie drei oder vier Verkleidungsschalen in turmartiger Weise angeordnet. Es gibt auch Verzierungen, die einer Weihnachtsbeleuchtung ähneln.
</p><p>Das zweite Fortbewegungsmittel der Gruppen sind Autos, die ähnlich modifiziert werden. Bevorzugt werden normalerweise viertürige Limousinen, unter denen zwei Arten des Bodystylings am verbreitetsten sind: Der <i><a href="Very_Important_Person" class="mw-redirect" title="Very Important Person">VIP</a></i>-Stil (viel Metall, verbreitert, mit Entenschwanzspoiler und tieferer Federung, extravagant gestyltes Interieur) und der <i>Group&nbsp;5</i>-Stil (Weite Karosserieerweiterung ähnlich seinen 1970er Pendants aus der Rennszene).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bōsōzoku_in_der_Popkultur"><span id="B.C5.8Ds.C5.8Dzoku_in_der_Popkultur"></span>Bōsōzoku in der Popkultur</h2></div>
<ul><li>God Speed You! Black Emperor – ein 1976er Dokumentarfilm über eine Gruppe Bōsōzoku.</li>
<li>Bukkomi no Taku – Ein Manga aus den frühen 1990er Jahren, über Taku, ein Möchtegern-Bosozoku, der schließlich eine prominente Stellung zwischen den rivalisierenden Gruppen Yokohamas erlangt.</li>
<li><a href="Akira_(Manga)" title="Akira (Manga)">Akira</a> – beinhaltet Bōsōzoku, die vor einem <a href="Cyberpunk" title="Cyberpunk">Cyberpunk</a>-Szenario agieren. Ein Unfall auf einer Autobahn während eines Hochgeschwindigkeitsrittes ist die Ausgangslage der ganzen Handlung.</li>
<li><a href="Sh%C5%8Dnan_Jun%E2%80%99ai_Gumi!" title="Shōnan Jun’ai Gumi!">Shōnan Jun’ai Gumi!</a> – Ein Manga über zwei Bōsōzoku-Mitglieder, Eikichi Onizuka und Ryuji Danma, die versuchen, ihren Lebensstil hinter sich zu lassen, um mehr Chancen beim anderen Geschlecht zu haben.</li>
<li><a href="Great_Teacher_Onizuka" title="Great Teacher Onizuka">Great Teacher Onizuka</a> – Nachfolger von „Shōnan Jun’ai Gumi!“. Eikichi wird Lehrer an einer Oberschule und nutzt sein Wissen aus früheren Tagen, um renitente Schüler des Schulhauses zu bändigen oder Jugendlichen zu helfen, die in Schwierigkeiten stecken.</li>
<li><a href="Shimotsuma_Monogatari" class="mw-redirect" title="Shimotsuma Monogatari">Shimotsuma Monogatari</a> – Ein Film/Manga, der auf einem Roman gründet, der von zwei Mädchen sehr verschiedenartiger Herkunft handelt; eines davon Mitglied einer Bōsōzoku-Bande.</li>
<li><a href="Fruits_Basket" title="Fruits Basket">Fruits Basket</a> – Kyoko Honda war einmal Anführer einer Bōsōzoku-Gruppe und bekannt unter dem Namen „The Red Butterfly“, während Arisa Uotani zu einer anderen Gruppe gehörte, die sich „The Ladies.“ nannte.</li>
<li>Die Kunio-kun-Videospiel-Serie beinhaltet eine Gruppe namens „Yokohama Funky“ von Shinji geführt im ersten Spielhallenspiel, <i>Nekketsu Kouha Kunio-kun</i> (Als <i>Renegade</i> bekannt in den USA und Europa). Er hat sein Comeback in anderen Spielen, <i>Kunio Tachi no Banka</i> (für Super Famicom/SNES) und <i>Kunio no Nekketsu Tōkyū (auch „Dodgeball“) Densetsu</i> (für Neo Geo). Bōsōzoku-Rüpel sind in anderen Teilen der Serie außerdem Gegner des Spielers.</li>
<li><i><a href="Black_Rain" title="Black Rain">Black Rain</a></i> – Beinhaltet eine Bōsōzoku-Bande auf Dirtbikes, deren Führer, Sato, für ein japanisches Verbrechersyndikat arbeitet. Möglicherweise der erste amerikanische Film, in dem Bosozoku vorkommen.</li>
<li><i>Crazy Thunder Road</i> (狂い咲きサンダーロード) – Ein japanisches „B-Movie“ von 1980 (Regie: <a href="S%C5%8Dgo_Ishii" class="mw-redirect" title="Sōgo Ishii">Sōgo Ishii</a>) über Bōsōzoku vor postapokalyptischem Hintergrund.</li>
<li>Yokusuka Jump Squadron, eine Fraktion in Kaiju Big Battel</li>
<li><a href="Weezer" title="Weezer">Weezers</a> Video zur Single „Dope Nose“ (2002) zeigt Bōsōzoku.</li>
<li>Kishidan (氣志團), japanische Rockband, trägt gelegentlich Bōsōzoku-Look.</li>
<li><a href="The_Fast_and_the_Furious%3A_Tokyo_Drift" title="The Fast and the Furious: Tokyo Drift">The Fast and the Furious: Tokyo Drift</a> zeigt auch eine Bōsōzoku-Gang, geführt von D.K. („Drift King“, der Haupt-Antagonist).</li>
<li><a href="Guitar_Wolf" title="Guitar Wolf">Guitar Wolf</a>, eine japanische <a href="Punkrock" class="mw-redirect" title="Punkrock">Punkrock</a>-Band.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Bande_(Gruppe)" title="Bande (Gruppe)">Bande (Gruppe)</a></li>
<li><a href="Rocker" title="Rocker">Rocker</a> – die meist in Motorradclubs organisierten Vertreter der ursprünglich aus den USA stammenden Subkultur, international meist als <i>Biker</i> oder <i>Bikies</i> (von engl.: <i>bike</i> ‚Motorrad‘) bezeichnet.</li>
<li><a href="Rocker_(Subkultur)" title="Rocker (Subkultur)">Rockers</a> – die in den 1960er Jahren in England entstandene (Jugend-)Subkultur, verknüpft mit sogenannten <a href="Cafe_Racer" title="Cafe Racer">Cafe Racern</a> und <a href="Rockmusik" title="Rockmusik">Rockmusik</a>.</li>
<li><a href="Mod_(Subkultur)" title="Mod (Subkultur)">Mod (Subkultur)</a></li>
<li>Hashiriya</li>
<li><a href="Yakuza" title="Yakuza">Yakuza</a></li>
<li>Drifting – viele frühere Bōsōzoku-Gruppen lösen sich auf und werden „Drifting teams“. Manche schafften es später sogar in die D1-Grand-Prix-Serie, zum Beispiel Toyohisa Matsuda und Masayoshi Tokita, beide kamen aus derselben Gang, die zu einem „Drift club“ wurde.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Joachim Kersten: <i>Bososoku und Yakuza: Subkulturbildung und gesellschaftliche Reaktion in Japan</i>, Crime &amp; Delinquency, Vol. 39, 3, 1993. S. 277–295.</li>
<li>Ikuya Sato: <i>Flow in japanischen Motorradbanden</i>, In: Mihály u. I.S. <a href="Csikszentmihalyi" class="mw-redirect" title="Csikszentmihalyi">Csikszentmihalyi</a> (Hrsg.): <i>Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des Flow-Erlebnisses</i>, Klett-Cotta, Stuttgart 1991. S. 111–139.</li>
<li>Ikuya Sato: <i>Kamikaze Biker: Parody and Anomy in Affluent Japan</i>, University of Chicago, Chicago 1998.</li>
<li><a href="Siegbert_A._Warwitz" title="Siegbert A. Warwitz">Siegbert A. Warwitz</a>: <i>Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt</i>, In: Ders.: <i>Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten.</i> 3. Auflage, Schneider, Baltmannsweiler 2021, ISBN 978-3-8340-1620-1. S. 207–226.</li>
<li>Masayuki Yoshinaga: <i>Bosozoku</i>. Trolley Publishers, ISBN 0-9542648-3-5</li>
<li>Karl Taro Greenfeld: <i>Speed Tribes</i>. HarperCollins, ISBN 0-06-092665-1</li>
<li>Story-Sasaki Hiroto Manga-Tokoro Jewzo "Bukkomi no Taku: Kaze Densetsu" (特攻の拓). Shonen Magazine Comics, ISBN 4-06-312449-5</li>
<li>Fujisawa Toru: <i>Shonan Jyun Ai Gumi!</i> (湘南純愛組!). Shonen Magazine Comics, ISBN 4-06-312257-3</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:B%C5%8Ds%C5%8Dzoku?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Bōsōzoku</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Joachim Kersten: <i>Bososoku und Yakuza: Subkulturbildung und gesellschaftliche Reaktion in Japan</i>, Crime &amp; Delinquency, Vol. 39, 3, 1993. S. 277–295</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Ikuya Sato: <i>Kamikaze Biker: Parody and Anomy in Affluent Japan</i>, University of Chicago, Chicago 1998.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Ikuya Sato: <i>Flow in japanischen Motorradbanden</i>, In: M. u. I.S. Csikszentmihalyi (Hrsg.): <i>Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des flow-Erlebnisses</i>, Klett-Cotta, Stuttgart 1991. S. 111.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Ikuya Sato: <i>Flow in japanischen Motorradbanden</i>, In: M. u. I.S. Csikszentmihalyi (Hrsg.): <i>Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des flow-Erlebnisses</i>, Klett-Cotta, Stuttgart 1991. S. 116.</span>
</li>
<li id="cite_note-Warwitz-5"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Warwitz_5-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Warwitz_5-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Warwitz_5-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Siegbert A. Warwitz: <i>Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt</i>, In: Ders.: <i>Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten.</i> 2. Auflage, Schneider, Baltmannsweiler 2016, S. 211.</span>
</li>
<li id="cite_note-Sato-6"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Sato_6-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Sato_6-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Ikuya Sato: <i>Flow in japanischen Motorradbanden</i>, In: M. u. I.S. Csikszentmihalyi (Hrsg.): <i>Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des flow-Erlebnisses</i>, Klett-Cotta, Stuttgart 1991. S. 112</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Ikuya Sato: <i>Flow in japanischen Motorradbanden</i>, In: M. u. I.S. Csikszentmihalyi (Hrsg.): <i>Die außergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des flow-Erlebnisses</i>, Klett-Cotta, Stuttgart 1991. S. 126.</span>
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<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Siegbert A. Warwitz: <i>Wenn Wagnis sich in Wohlgefühl wandelt</i>, In: Ders.: <i>Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten.</i> 2. Auflage, Schneider, Baltmannsweiler 2016, S. 212.</span>
</li>
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